Pressemitteilung von Attac Bielefeld

Die jüngsten Entwicklungen in Palästina und die Rolle der Widerstands- und Solidaritätsbewegung

Bielefeld. Am 26. November fand in der VHS Bielefeld ein Vortrag mit Saeed Amireh zu den jüngsten Entwicklungen in Palästina statt. Der Palästinenser Saeed Amireh wurde 1991 in dem Dorf Ni’lin, westlich von Ramallah, geboren. Saeed spielt mit seinen 24 Jahren bereits eine wichtige Rolle in der palästinensischen Bürgerbewegung im Westjordanland. Die Inhaftierung seines Vaters brachte ihn mit 17 Jahren dazu, sich durch soziale Medien an die Welt zu wenden. Im Selbststudium brachte er sich Englisch bei und mobilisierte internationale Unterstützung, um die Kaution für seinen Vater und andere politische Häftlinge zahlen zu können. Als ehemaliger politischer Gefangener und Menschenrechtsverfechter berichtete er auf Konferenzen und Vortragsreihen in vielen europäischen Ländern und Australien über das Leben der Palästinenser unter israelischer Militärbesatzung.

Saeeds Dorf Ni’lin ist sehr stark durch den Bau der israelischen Mauer, die weitgehend durch palästinensisches Gebiet verläuft, sowie durch Enteignung und Unterdrückung betroffen. Der Staat Israel hat rund um das Dorf fünf Siedlungen mit 50.000 israelischen Siedlern gebaut und dabei 4.200 ha Land enteignet. Den Bewohnern bleiben nur noch 800 ha. Seit 2004 demonstrieren die Bewohnerinnen und Bewohner Ni‘lins jeden Freitag gewaltfrei gegen Mauerbau, Enteignung und Unterdrückung. Sie gründeten Bürgerkomitees in Dörfern und Städten, in denen alle politischen Parteien, die Bauern und die Familien vertreten sind. Dabei organisieren sie sich zusammen mit israelischen und internationalen Gruppen sowie mit Medien. Die Bürgerkomitees helfen den Bewohnern bei Problemen: wenn Menschen verhaftet, verwundet oder gar getötet werden und sie organisieren Schutz vor Angriffen sowie Widerstand. Sie agieren ausschließlich friedlich. Um dies zu zeigen, heben sie bei Demonstrationen ihre Hände und rufen: „Wir wollen Frieden und diese Mauer wird den Frieden nicht befördern.“

Die israelische Besatzung und Besiedlung sowie die damit einhergehende Vertreibung und Unterdrückung von Palästinenserinnen und Palästinensern wird in Palästina als zunehmend existenzbedrohend empfunden. Zunehmend werden Palästinenserinnen und Palästinenser von israelischen Soldaten und Siedlern angegriffen, verwundet oder gar getötet. In den vergangenen Wochen hat sich auch der palästinensische Widerstand gegen die israelische Besatzungsmacht und deren völkerrechtswidrige Siedlungen gesteigert. Vereinzelt hat es dabei Messerangriffe von jugendlichen Palästinensern auf Soldaten gegeben. Allerdings wird inzwischen oft behauptet, dass erschossene Palästinenser ein Messer gehabt hätten, ohne dass dies irgendwie untersucht würde. Es ist in der Vergangenheit fast noch nie vorgekommen, dass ein Todesschuss eines israelischen Soldaten zu einer Verurteilung oder wenigstens einer Anklage geführt hätte.

Der Staat Israel legt alles daran, diese Widerstandsbewegung zu brechen. Seit Herbst sind der Gewalt auf palästinensischer Seite 85, auf israelischer 12 Personen zum Opfer gefallen. Im Oktober allein hat Israel zusätzlich 1.650 Palästinenserinnen und Palästinenser gefangen genommen, die meisten davon Minderjährige.

Die neue Aufstandsbewegung orientiert sich an der ersten palästinensischen Intifada (1987-1993), die ausschließlich gewaltfrei agierte. Hinweise wie die Widerstandsbewegung unterstützt werden kann, sind hier zu finden: http://www.kopi-online.de/wordpress/?cat=171

Der Vortrag wurde von Attac Bielefeld in Zusammenarbeit mit der VHS Bielefeld sowie der Nahostkommission des Internationalen Versöhnungsbunds Deutscher Zweig angeboten.

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